Manchmal beschäftigt uns etwas, lange bevor wir eine Frage formulieren können. Erst im Nachdenken – allein, zu zweit oder in einer Gruppe – wird greifbar, was wir eigentlich wissen oder verstehen möchten. Wie entstehen eigene Fragen? Was brauchen sie, um sich entfalten zu können? Und wie können wir in der Philosophischen Praxis dazu beitragen, dass Menschen ihren Fragen auf die Spur kommen?
Das Entdecken der Fragwürdigkeit von als sicher angenommenen Überzeugungen stellt eine existenzielle Herausforderung dar, öffnet aber auch neuen Erkenntnissen und Verhaltensweisen Tür und Tor. Veränderungen werden wesentlich durch Fragen und Hinterfragen des Bestehenden angetrieben
Fragen zu stellen und sich damit als nicht wissend zu zeigen (wie Sokrates es tat), steigert die eigene Attraktivität in vielen Kontexten nicht unbedingt . Antworten zu haben, die einfach und alternativlos sind, mutet dagegen als Gebot der Stunde an. Hier kann es darum gehen, den Wert der Frage neu zu entdecken und die Vielfalt des Fragens zu öffnen: Was macht eine Frage in ihrem jeweiligen Kontext zu einer guten Frage? Wie fördern wir in der Philosophischen Praxis das eigene Fragen unserer Gäste? Wie verändert die Verfügbarkeit von KI-Antworten unser Fragen?
Seit Sokrates gehört das Entdecken der Fragwürdigkeit von als sicher angenommenen Überzeugungen zur Philosophie. Doch das Verhältnis von Fragen und Antworten reicht weiter: Antworten können Orientierung geben, eine Frage verwandeln oder neue Fragen wecken. Manche Fragen begleiten uns, ohne eine abschließende Antwort zu finden. Worin liegt ihr Wert?
Mit künstlicher Intelligenz gewinnt dieses Verhältnis eine neue Aktualität. KI-Systeme beantworten Fragen, formulieren selbst welche und regen zum Weiterfragen an. Was geschieht dabei mit unseren eigenen Fragen? Hilft uns das Gespräch mit einer KI, herauszufinden, was uns beschäftigt? Wie gehen wir mit Antworten um, die überzeugend klingen? Und was bedeutet diese Erfahrung für unser Verständnis des menschlichen Fragens – für das Interesse am anderen, das Eingestehen von Nichtwissen und die Verantwortung für das eigene Urteil? Ist letztlich nicht das, was uns befähigt, uns selbst, wie auch anderen, Fragen zu stellen, gerade das, was uns zu Menschen macht?
Die gemeinsam von BV-PP und IGPP veranstaltete Frühjahrstagung 2027 will diesen Spuren nachgehen. Dabei beschäftigen uns Technik und Methodik des Fragens ebenso wie Neugier, Zuhören und die Bereitschaft, sich auf Unvorhergesehenes einzulassen.
Es soll erlebbar werden, welche Möglichkeiten Fragen eröffnen und wie sie Erkenntnis, Veränderung und Orientierung in einer unübersichtlich gewordenen Welt fördern können. Wir laden dazu ein, Erfahrungen und Überlegungen in unser Gespräch und die Workshops einzubringen, in denen wir die Vielfalt des Fragens gemeinsam erkunden und erproben.
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