Rückblick auf das gemeinsame Herbstkolloquium von BV-PP und IGPP: Welche Art von Bildung brauchen wir?

Bildung und Weiterbildung in Philosophischer Praxis

Bildung ist nicht das abfragbare Wissen eines von wem auch immer definierten Kanons, sondern die Entwicklung einer Persönlichkeit, die sich selbst anzunehmen imstande ist – mit ihren Fähigkeiten, ihren Potentialen, aber auch ihren Grenzen. Peter Bieri unterscheidet zwischen dieser Form einer inneren Bildung und einer Ausbildung, die uns von außen mit konkreten Kompetenzen ausrüstet, um in der Leistungsgesellschaft zu bestehen. Das Kolloquium hinterfragt aktuelle Bildungsbegriffe kritisch und fragt nach Alternativen zur gegenwärtigen „Bildungsmisere“.

Im Rahmen des Kolloquiums haben die Absolventen des Bildungsgangs ihre Abschlussarbeiten präsentiert und ihr Zertifikat erhalten


Rückblick: Akademie Philosophische Praxis geht an den Start. Seminar Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen

Die Akademie Philosophische Praxis ist 2018 mit dem Seminar "Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen" erfolgreich gestartet. Hier ein kurzer Rückblick: https://www.denkspuren.com/blog/2018/8/23/workshop-der-akademie-des-bvpp


Berufsverband für Philosophische Praxis e.V. startet neuen Bildungsgang – Bildungsgang Philosophische Praxis beginnt im Mai 2019

Die Lebensnähe der Philosophie ist zentrales Leitmotiv des Bildungsgangs Philosophische Praxis, der bereits zwei Mal mit großem Erfolg durchgeführt wurde und auf eine Vielzahl begeisterter Teilnehmer zurückblicken kann. Im Mai 2019 startet der dritte Jahrgang des Bildungsgangs und endet im Oktober 2021.

Ziel ist es, Orientierung bei essentiellen philosophischen Fragen zu finden, statt in die Beratungskultur mit präfabrizierten Lösungsschlüsseln zu fliehen oder Hilfe in pseudo-psychologischen Coaching Prozessen zu suchen. Dieser Ansatz ist einmalig und etabliert sich aktuell als alternative Methode zur Psychotherapie. Der Bildungsgang Philosophische Praxis setzt dabei primär auf die Selbstbildung der Teilnehmer. Sie beschäftigen sich mit dem eigenen Selbst, der Begegnung mit der Welt und der Rolle von lebensbezogenen philosophischen Fragestellungen im Beruf.

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Die Teilnehmer werden befähigt, existenziellen Krisen und grundlegenden Problemstellungen auf individuelle Weise zu begegnen. Der Studiengang steht für die Bildung und Entwicklung von Intuition und Gespür für spezifische Dialogsituationen. Situative Intelligenz und adaptive Klugheit in Gesprächssituationen haben Vorrang vor der Aneignung von bloßem Wissen und universitärer Bildung. Der Philosophische Praktiker beweist seine Kompetenz dadurch, dass sein Denken je nach Situation die Richtung wechseln kann. Autonomie und Freiheit sind die Prinzipien, die neue Perspektiven bei Antworten und den sich daraus wiederum ergebenen Fragestellungen schaffen.

Die Arbeitsweise des Philosophischen Praktikers verlangt praxisorientiertes, fundiertes Wissen der Philosophie ebenso wie die Begegnung mit erfahrenen Praktikern. Im Zentrum steht dabei die Klugheitsregel als vollwertiger ethischer Grundbegriff. Klugheit ist ein angewandtes Instrument des Praktischen Philosophentums, um sowohl philosophische Lebensberatung für das Individuum als auch philosophische Organisationsberatung im beruflichen Umfeld zu liefern. Sie richtet sich an Menschen, die das Gefühl haben „irgendwie stecken geblieben“ zu sein und Antwort auf die Frage suchen: „Was tue ich eigentlich?“ Der Bildungsgang Philosophische Praxis begleitet Menschen bei der Selbstaufklärung, die sich auf die Suche nach Antworten auf die Frage nach dem guten Leben begeben. Ein Studium der Geisteswissenschaften ist keine Voraussetzung für die Teilnahme am Bildungsgang, philosophische Vorbildung ist allerdings wünschenswert. In den letzten Jahrgängen kamen Teilnehmer mit sehr unterschiedlichem Beruf zusammen. Mediziner, Naturwissenschaftler, Pädagogen und Journalisten einte die Motivation, durch besseres Verständnis philosophischer Praxis ihre Beratungskompetenz im Beruf zu verbessern und reflexive wie dialogische Fähigkeiten zu vertiefen. Ein internationales Dozententeam gibt den Teilnehmern einen fundierten Einblick in die lebensbezogene Philosophie. Viele von ihnen führen seit vielen Jahren eine Philosophische Praxis, einige sind Bestseller Autoren in diesem Bereich m Bereich. Die Kompetenz philosophisch durchformter Gesprächsführung wird in der Begegnung mit den Dozenten ebenso vermittelt wie im ständigen Austausch und der Vertiefung durch Übung mit anderen Teilnehmern. Der Bildungsgang befähigt die Teilnehmer dazu, als Philosophische Praktiker auch eine eigene Philosophische Praxis zu gründen und erfolgreich zu führen.

Anmeldungen für den Jahrgang 2019 – 2021 sind ab sofort möglich. Die Kosten belaufen sich auf etwa 2.500 - 2.900,- € pro Jahr.

Anfang Januar findet ein "Schnuppertag" statt, bei dem Interessierte die das Kollegium und Absolventen der der letzten Bildungsgaänge kennen lerenen können.


Rückblick Frühjahrstaung 2018: Was uns trägt - Selbstvergewisserungen über die eigenen Fundamente

In der Philosophischen Praxis begleiten wir Menschen in oftmals schwierigen Lebenssituationen. Wie haben den Anspruch, ihnen Impulse für Perspektivwechsel zu geben und die Lampe höher zu hängen. Dieses „Vivifizieren“ und „Dephlegmatisieren“ unserer Gäste erfordert Kraft und setzt eine individuelle Selbstsorge und eigene Lebenspraxis voraus, um dem hohen Anspruch an die Philosophische Praxis gerecht zu werden.

In der Frühjahrstagung 2018 haben wir uns unserer eigenen Fundamente vergewissert und uns gefragt, was uns trägt, was uns befähigt, als Philosophische Praxis tätig zu sein. Anschließend an das letzte Herbstkolloquium, das die Sorge um sich und den Anderen in den Mittepunkt gestellt hat, geht es bei der Frühjahrstagung um das sokratische „sich Rechenschaft geben zu können“ und die Kolleg*innen daran teilhaben zu lassen, worin die eigenen Wurzeln liegen.

Insofern standen bei der Frühjahrstagung Veranstaltungsformate im Mittelpunkt, die den Dialog und die den kollegialen Austausch gefördert haben. Ziel war es, Philosophische Praxis erfahrbar zu machen.

Hier ein paar Fotos und Ergebnisse des World-Café: Leitfragen für 5 Tische:

  • Welche konkrete Lebenspraxis hilft mir, den Herausforderungen der Philosophischen Praxis gerecht zu werden? Welche Philosophischen Übungen praktiziere ich selber regelmäßig
  • Aus welcher Lektüre schöpfe ich Kraft und Inspiration? Wer sind die „Großen Geister“ für mich, auf deren Schultern wie sitzen?
  • Gibt es in meiner Lebensphilosophie eine spirituelle / religiöse Komponente? Was bedeutet das für mich im Gespräch mit ratsuchenden Menschen?
  • Wie habe ich meine „Denkbiografie“ und meine „Philosophische Visitenkarte“ reflektiert? Welche Formen der Selbsterfahrung und kollegialen Intervision sind dabei hilfreich?
  • Welche Unterstützung hätte ich gerne durch die IGPP / den Berufsverband? Was sollten diese beiden Vereine tun, um mich in meiner PP zu stärken?